Lamm und Erbsen und Tanz

Unser lieber Freund Georg sagt spontan wie immer Ja, als wir ihn um seinen Bus bitten. Denn heute, heute haben wir wirklich einiges vor. Richard und Oliver vom Projekt „White Buffalo Valley“ in Weitensfeld bei Liebenfels haben die Menschen in Pöckstein zum Lammessen eingeladen. Erschüttert stellen wir in der Früh fest, dass es regnet. Scheibenkleister. Als wir um 11 Uhr den Bus holen, ist es nur mehr bewölkt. Die Sonne blinzelt durch die Wolken, als unsere Freunde frierend und zitternd und viel zu schön und leicht angezogen vorm Haus auf uns warten. Achtzehn Menschen passen nicht in einen PKW und in einen Bus? Weit gefehlt. Passt und hat Platz. Mit dem halben Hintern am Sitz und der anderen Hälfte in der Luft. Sich gegenseitig stützend, unter Gelächter und Geächze. Sicherheitshalber weichen wir weiträumig über Nebenstraßen aus. Die Sonne lacht von einem wolkenlosen, dunkelblauen Herbsthimmel, als wir ankommen. Keine Achse gebrochen. Kein Blech hat an den Reifen gescheuert.

In Weitensfeld werden wir von mindestens so vielen Menschen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Österreich erwartet. Richard sagte uns vorher, das Lamm reiche für etwa 30 Menschen. Wir gehen Richtung Feuer. Ein Blick auf das halbgare Lämmchen über der Glut genügt. Mama mia! Ich sprinte zurück zum Auto und fahre mit Richard zum Billa. Wir nehmen alles mit, was aus Hühnchen und Pute ist. Und hoffen inständig, dass die Menschen satt werden. Emer aus Steuerberg erweist sich als wunderbarer Koch. Sein gewürzter Reis mit Erdnüssen und Erbsen ist eine Sensation. Seine Freundlichkeit ist noch überwältigender.

In der warmen Sonne sitzen etwa 50 Menschen miteinander an den Tischen und essen, trinken und reden. Hamodeh fotografiert die ganze Zeit. Er ist so glücklich mit meiner alten Kamera. Oliver und Alexandra stellen das Permakulturprojekt vor, das in Weitensfeld am Platz entstehen soll. Auf Englisch. Und mit Händen und Füßen. Einfache Häuser, Pflanzen, Permakultur von der Pieke auf. Die Besucher sind ein wenig überrumpelt, hören aber geduldig zu. Einer unserer Syrer ist echt begeistert. Er wird am Ende ganz entgegen seiner sonstigen Schüchternheit unsere temperamentvolle Alexandra umarmen. Obwohl er wie alle anderen einer Frau kaum in die Augen schauen kann, wenn er sie begrüßt. The times, they are a’changing.

Als drei Trommeln auftauchen, lassen es sich drei Männer nicht nehmen, ein bisschen ihres Temperamentes zu zeigen, zu trommeln und dann sogar zu tanzen. Auch Hasan, der wegen des Granatsplitters in seiner Hand wirklich große Schmerzen hat – er trommelt. Und tanzt. Ist für eine Weile nicht traurig sondern ganz im Augenblick, jung und feurig und fröhlich. Lames genießt den Trubel, die Jungs sowieso, und auch die kurdische Familie ist irgendwie mitten drin.

Was für ein prachtvoller, wunderbarer Tag!

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