Der Tod, das Leben, die Freunde

Statt am Wochenende mit Freunden und Kindern zu basteln muss ich Freitag Abend überstürzt nach Deutschland aufbrechen. Der Bruder meiner Mutter, mein Lieblingsonkel aus Kinder- und Jugendtagen, der Allesversteher einer jungen, bunten Erwachsenen, der weise und ruhige Alte der letzten Jahre hat seinen finalen Herzinfarkt. Ja. Klar. Sterben gehört zum Leben dazu. Aber dieser Mensch hier, er ist nicht mehr. Am vierten Adventsonntag wechselt er von hier nach drüben. Wie eine Kerze, die ganz langsam erlischt. Für ihn scheint es ganz natürlich zu sein. Danke für alles, was du mir warst. Meine Güte, du wirst so fehlen.

Wie nun zurückkehren ins Leben? In meinem Fall ganz banal mit Zahlen. Oh ja, ich hab einen Tag lang nur Zahlen addiert und subtrahiert, Texte formuliert und in die Zukunft gedacht. Während mein Mann mit Assem, Ahmad, Mervan und Tschafar in Klagenfurt eine große Siedlungsaktion für unsere Freunde von „Best of the Rest“ bravourös meisterte. Und wundervolle Stoffe heimbrachte. Und massig Spielzeug für unseren Sami. Und kostbares Papier. Das Leben hat einen schnell wieder mit so vielen Möglichkeiten. Am Ende des Tages Antrag mit den besten Wünschen für unsere gute Zukunft abgeschickt. Komme, was da wolle.

Heute Vormittag endlich der Termin mit Evelin beim Institut für Arbeitsmigration. Vor so vielen Jahren haben wir in St. Veit mit Jutta Verdino und vielen begeisterten Frauen das „Grenzenlose Kochen“ als Sprachcafé und Begegnungsmöglichkeit für zugewanderte Frauen ins Leben gerufen. Wir lernten uns kennen, als in Kärnten wegen eines einzigen Vorfalles medial Jagd auf alle Tschetschenen gemacht wurde. Wir arbeiteten zusammen, um auch geglückte Beispiele von Integration zu beschreiben. Ich lernte damals Lela kennen, eine tschetschenische Hochschulprofessorin, die im St. Veiter Krankenhaus putzte. Sie wurde eine enge Freundin. Wie lange das her ist. Nun kreuzen sich unsere Wege wieder. Für mich sind das kleine Geschenke des Lebens. Es liegt einiges an Arbeit vor uns, wenn wir Volontariate und Arbeitspraktika anbieten wollen. Es sind viele Schritte zu tun. Dann hören wir auch von der Möglichkeit, Kompetenzchecks durchzuführen. Und Arbeitserprobungen. Die nächsten Wochen werden zeigen, was wie zu uns passt. Sowohl das Institut für Arbeitsmigration als auch das Interkulturelle Zentrum Völkermarkt sind kostbare Kooperationspartner für uns.

Am Nachmittag dann endlich wieder die Kamera umschnallen und raus – in die Raureifwinterlandschaft Mittelkärntens. Yihaaaaa…. wie gut das tut! Mein wundervoller Schüler tut und macht, fragt und probiert, scheitert und gewinnt an Erkenntnis und Erfahrung. Wie glücklich er ist, wenn eine Idee sich umsetzen lässt. Und wie er sich ärgert, wenn mal was nicht klappt, wie er sich das vorstellt. Er tut mir so gut. Unser Model greift geduldig immer wieder in das eisige Geglitzere und steht geduldig zur Verfügung. Und manchmal schnappt sich Ahmad auch meine Kamera und probiert sich aus. Wir warten schon ungeduldig auf die Rückkehr meiner Leihkamera aus Murau, hoffentlich klappt es in den nächsten Tagen.

Ich bin sehr gespannt auf Hussain’s Sicht auf den Winter auf Foto.Raum. Schaut euch wie immer gerne um und nutzt die Fotos für Internet, Print und more. Dafür sind sie ja da.

Danke liebe Freunde, die ihr zufällig da ward in diesen Tagen. Das Leben ist mir noch ein wenig kostbarer geworden. Es hat an Lebendigkeit, an Tiefe und an Mitgefühl gewonnen. Es tut gut, sich an den kleinsten Dingen zu freuen.

 

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