Morgenseiten und Abendbetrachtungen

Seit heute Morgen schreibe ich wieder meine Morgenseiten. Wohl auch aus dem Gefühl, mir wird grad alles zu viel. Ich empfinde keine Dankbarkeit für das, was ich so gerne tue. Ich funktioniere. Innerfamiliär ist so viel los wie seit Monaten nicht. Erwachsene „Kinder“ auf Arbeitssuche, Wohnungssuche, Sinnsuche. Sowohl in der Kleinfamilie als auch in der Wahlgroßfamilie des Patchworksystems. Ich leide auf einmal wie ein sehr emotionales Muttertier.

Ich fühle nicht mit. Ich. Leide. Mit.

Ich hasse das. Als ob ihnen das was nützen würde. Schreiben hilft. Meinem still zuhörenden Partner meine Situation schildern hilft. Heulen und Zähne knirschen hilft. Einfach zugeben, pfoah, viel ist grad los und ich halt mich nicht heraus. Die Überforderung, den Grant zugeben. Die Grippenachwirkungen sind noch zu spüren. Wir schnaufen momentan alle beim Stiegensteigen. Übermorgen noch die Verabschiedung meines Lieblingsonkels in Nürnberg. Und dann – Danke Leben. Du darfst gern einen Gang zurück schalten. Sonst gehe ich in Winterschlafmodus.

Im Laufe des Vormittages kommt die Freude zurück. Die Freude am Nähen. Die Freude am Designen, auch wenn ich keine professionelle Ahnung davon habe. Ich beginne, die Arbeitsschritte für die Dekoblättertasche aufzuschreiben. Fehler zu berücksichtigen, daraus neue Schritte abzuleiten. Wenn wir hier ab Mitte oder Ende Februar mit Laien oder auch Profis Taschen nähen wollen, dann sollte das in überschaubare Schritte für jedes Geschick unterteilt werden. Auch wortlos idealerweise. Also zeichne ich auch Schnitte auf dicken Druckereiausschusskarton.

Ich nehme meinen eigenen Leistungsdruck zurück. Und wenn ich einen Monat für eine einzige Tasche brauche. What shall’s! Ist mein Leben und es ist grad möglich. Weder verhungern wir noch ist sonst irgendein Problem in Sicht. DAS ist jetzt dran. Entspannt genau das zu tun, was sich stimmig anfühlt. Das ist das Üben an den Maschinen. Das Üben beim Tun. Der Rest wird wie immer von selber kommen.

Ich werde das Gefühl nicht los, die tolle Tasche sollte zwecks Haltbarkeit eine durchsichtige Schutzfolie bekommen. Mal nachfragen in Druckereien und Verpackungsfabriken, ob was Gscheides abfällt. Kunstharz wäre eine Alternative. Und ist irgendwie blöd. Einerseits verarbeiten wir konsequent Reste. Dann sollen durch uns nicht unnötige weitere entstehen.

Eine Frau aus Spittal meldet sich nach meinem Fb-Aufruf wegen ihrer alten Overlock. Sie will sie uns schenken! Die holen wir morgen am Abend ab. Auch hier höre ich von einem Maschinenflüsterer aus dem Oberkärntner Raum. Es gibt angeblich auch einen in Mittelkärnten. Berichte folgen, sobald ich etwas aus der Praxis weiß.

Ein Besuch bei Elke und Bernhard beschert uns einen Kofferraum voll mit geretteten Schätzen. Und wir spüren einmal mehr wie einfach es ist, unter Gleichgesinnten zu sein. Wie sehr wir in den letzten Monaten menschlich und materiell beschenkt werden, das wäre eine eigene Geschichte.

Dann kommen wieder meine Schätzchen aus der Ebenthaler Volksschule dran. Wir werden schon beim Betreten der Schule lautstark und herzlichst begrüßt. Der Schnee im Altglas ist heiß begehrt, kein einziges Kind sitzt mehr freiwillig an der Hausübung. Puuuh, wie gut, dass ich ein paar Gläser mehr mitgenommen habe! Heute klebt Alexander mit echter Engelsgeduld Steine und Figuren und Pflanzen mit unserer alten Badezimmersilikonkartusche in die Deckel. Die Kinder sind ruhig und entspannt, haben eine Riesenfreude beim Tun. Und freuen sich schon auf die Ergebnisse übernächste Woche. Überlegen, wie das mit dem Kunstschnee sein wird. Und welchen Glitzer sie dazu geben wollen. Im Anschluss silikonieren wir noch die heißgeklebten Vorwochenmodelle der Kleinen. Nun wird alles perfekt halten. Pfoah, so viele Schneekugeln!

Auf der Suche nach weiteren Overlockmaschinen für den Näh.Raum schauen wir auch beim Fachmann meines Vertrauens in Klagenfurt vorbei. Nein. Gebrauchte Maschinen gibt es kaum, verkaufen sie nicht. Es gäbe noch zwei neue Berninas im Angebot. Nur zwei. Ich muss mal mit der Schneiderin meines Vertrauens reden. Irgendetwas ist unstimmig. Ich höre auf meine innere Stimme und lasse mich nicht drängen. Aber ich leiste uns für den Näh.Raum eine Einfädelpinzette und neue Nadeln für die Pfaff. Dass ich gestern mit der feinen Nadel durch fünf Stoffschichten stechen durfte, ohne sie abzubrechen, grenzt für mich an ein kleines Wunder.

 

 

 

 

 

 

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