Fachmann und Osterhase

Heute ist für mich ein richtiger Feiertag! Meine alte Dürkopp ist dort, wo ich sie gleich von Anfang an hingeben hätte sollen. Bei einem Nähmaschinenflüsterer aus Mittelkärnten. Danke Hemma und Petra, ihr hattet die rettende Idee und Telefonnummer. An dieser Maschine hänge ich insofern, als sie mir von einer besonders feinen Freundin vor 24 (!) Jahren geschenkt wurde. Sie war eine, die meine Talente relativ genau sah. Ich sah damals den Wald vor lauter Bäumen überhaupt nicht. Nach meiner Scheidung und in einer echten Lebens- und Überlebenskrise bot sie mir Unterstützung und Anregung, die Künstlerin heraus zu lassen. Ich war (noch) nicht so weit. Mein echter Lebenslernweg hatte gerade voll begonnen. Ich nähte zwar begeistert indianische Mokassins und fertigte indianisches beadwork, das ist Weben mit Perlen, fotografierte viel und gern und malte schon ein bisschen. Sie lehrte mich die ersten Heilkräuter zu identifizieren und mehr mit der Natur zu leben. Das Geldverdienen und finanzielle Überleben mit zwei Kleinkindern erschien mir wichtiger. Ich fühle heute ein bisschen Wehmut. Aber so ist das eben.

Als ich heute dem mir vollkommen fremden, freundlichen Mann mit den goldenen Händen für Nähmaschinen in die Augen sah wusste ich intuitiv, woher meine Freundin damals die Maschine bekommen hatte. Sie hatte ein Geheimnis daraus gemacht, damit ich das große Geschenk annehmen konnte. Als ich ihn darauf ansprach, nickte er nur und sagte: „Ja, das ist eine Heimkehrerin. Wir werden uns ganz genau mit ihr auseinandersetzen, man kann so viel tun“. Wir haben uns noch lange unterhalten. Über seinen aussterbenden Beruf, weil Industrie 4.0 am Weg ist. Also Maschinen, die im Netz hängen und aus viel Elektronik und wenig Reparierbarem bestehen. Über seine Unterstützung einer Maria Saaler interkulturellen Nähinitiative. Und über unser so ähnliches Projekt hier in Mittelkärnten. Es hat so gut getan, einem warmherzigen  und klugen Menschen seiner Art zu begegnen. Nun wissen wir, an wen wir uns in Zukunft mit Industrienähmaschinen wenden können. Liebe Moorqueller, in ein paar Wochen nähen wir Jeans, Leder und alles das, was unsere Haushaltsmaschinen nicht mehr packen. Ich freu mich so.

In der Ebenthaler Volksschule wurde heute um die Wette geschliffen, geschraubt und poliert. Die Kinder bereiteten Holzosterhasen aus alten Bodenbrettern und geschenkten Perlen für die Bemalung in zwei Wochen vor. Alexander war gestern den ganzen Vormittag in der Werkstatt und sägte Osterhase für Osterhase vor. Sie werden bezaubernd, das kann man schon an den Rohlingen sehen. Außerdem sprühlackierten wir heute die bemalten Salzteig-Fenstergärten mit durchsichtigem Lack und befüllten die Gefäße mit Watte, Wasser und Kressesamen der Marke Sprinter. Angeblich sind die Pflanzen in sechs Tagen da. Wir werden das fotografisch festhalten, sofern nicht alles sofort am Butterbrot landet.

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