Keramik und Raum

Wir sind schon Glücksmenschen. Vor ein paar Monaten hat Walter aus Wien mit uns Kontakt aufgenommen. Einer dieser schönen Zufälle, die uns schon seit einem Jahr begleiten. Neugierig sind wir uns in Graz begegnet, haben uns ausgetauscht, beschnuppert und einen ganzen Tag miteinander geredet und getüftelt. Walter ist Keramiker in Pension. Zwanzig Jahre Praxis klangen schon mal sehr gut. Jedenfalls hatten Alexander und ich ein gutes Gefühl und schlugen ihm vor, im Moorquell mit zugewanderten Menschen und Österreichern ein Keramikprojekt zu starten. Nein, Stop. Stimmt nicht. Das schlug uns Walter vor. Wir saßen nur staunend und dankbar vor ihm und waren einfach einverstanden. Gott sei Dank war Kornelia, die Betreiberin, auch einverstanden und gab uns einfach ihr Okay. Einige e-mails gingen hin und her. Ein paar Telefonate gab es noch. Und dann kam er.

Seit drei Wochen ist Walter real im Moorquell tätig. Hat seine Zeit und auch sein Geld investiert in eine Töpferscheibe, Glasuren, Material für einen einfachen Ofen. Und hat, wie es so seine stille Art ist, begonnen, dort mit den Menschen zu arbeiten. Vollkommen selbstständig und in sich ruhend. Und mit großem Erfolg. Gestern waren wir beim ersten Rakubrand dabei. Es ist unglaublich, wie schön die Ergebnisse sind. Die typischen schwarzen Bruchlinien in der schimmernden Glasur, die schönen Farbtöne, die durch das Reduzieren in den Holzfasern entstehen. Schon ein bisschen magisch das Ganze.

Was Walter in meinen Augen auszeichnet ist seine Fähigkeit, aus Resten und einfach zu besorgenden Materialien geschickt komplizierte Technik herzustellen. Kein Wunder. Er ist gelernter Techniker. Und er hat keine Angst vor neuen Erfahrungen. Seine Ruhe im Umgang mit Menschen, die unsere Muttersprache noch nicht so perfekt sprechen, ist respektvoll und einfühlsam. Man hat das Gefühl, um ihn herum kann alles zusammenbrechen. Er macht ruhig weiter das, was er versprochen hat.

Warum wir jetzt auch einen Keramik.Raum machen? Wir haben Pläne. Durchaus realistische. Langfristig Pläne, die Brücken für jedermann in eine berufliche Zukunft bauen. Der erste tadschikische Lehrling hat Feuer gefangen. Was die Handwerkstechnik betrifft. Ihr hättet sein Gesicht sehen sollen, als er die ersten Schalen von Ruß und Sägespänen befreite. Er funkelte und strahlte! Nach dieser kurzen Lernzeit hantiert er schon sicher mit der Zange und dem 800 Grad heißen Brenngut. Weiß, dass er den Reduzierdämpfen besser ausweicht. Und holt vorausschauend Material, wenn er sieht, dass es ausgeht.

Österreichische Schaulustige und Interessierte waren immer wieder da in diesen Tagen. Eine Dame brachte überhaupt gleich ihr ungebranntes Töpfergut vorbei. Das soll im Moorquell möglich werden. Kurse sind heuer ebenso angedacht wie persönliche Anfertigungen. Jetzt heißt es erst mal lernen, lernen und noch mal lernen. Walter sieht das vollkommen so wie wir. Lernen durch Tun. Lernen durch Fehler. Lernen durch Weitergeben von Wissen. Einmal mehr sehe ich das bestätigt, woran ich beim Laising und beim Mentoring, beim natürlichen Lernen im Lais.Institut Klagenfurt, erfolgreich erinnert wurde. Interesse, Begeisterung und Tun sind menschliche Zugänge, um diese Welt zu erfahren. Es ist natürlich in uns angelegt. Wir SIND neugierige Wesen, die sich weiter entwickeln wollen. Ich persönlich kriege zuverlässig Herzklopfen, wenn ich mich mit dem auseinander setze, was mich interessiert. Dieser innere Kompass, der sich vermutlich bei jedem ein bisschen anders anfühlt, ist in jedem von uns.

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