Zick-Zack-Naht und eine Menge Staub

Sieben Frauen sitzen an vier Nähmaschinen. Liebe Renate, ich kann dir gar nicht oft genug danken für deine einfühlsame, ruhige und kompetente Art der Einschulung an den elektrischen Geräten. In Afghanistan scheint es durchaus noch üblich zu sein, viel mit der Hand zu nähen. Oder mit Nähmaschinen und Tretantrieb. Liebe Monika, falls du uns wirklich noch deine alte Nähmaschine zur Verfügung stellen willst, wäre das genial, dann könnten wir mal wieder die Lehrer-Schüler-Rollen umtauschen und von den afghanischen Näherinnen lernen!

Ich muss so herzlich lachen, wenn ich an die jungen Frauen denke. Immer, einfach immer ist eine Näherin dabei, die mit Vollgas loslegt. Heute waren es gleich zwei. Es wird aufmerksam zugehört. Wir erklären, dass die Nadeln stechen und auch in Finger nähen, wenn frau nicht aufpasst. Und dann – gehts los. Im Zick-Zack-Stich. Volle. Rasant um die Ecken. Wilde und vollkommen logische Abkürzungen. Und immer mit blitzenden Augen und strahlendem Lachen. Zwei sehr mutige Frauen saßen heute zum ersten Mal an einer elektrischen Maschine und machten hervorragende erste Nähte. Vielen Dank an euch Leute von VOBIS, dass ihr an Kinderbetreuung gedacht habt. Das war eine feine Sache. Und ich habe selten so eine einfühlsame, liebevolle und achtsame Kinderbegleiterin erlebt wie heute. Danke Maxi. Bleib bloß noch ganz lang als Praktikantin da! Und Danke Sonja, dass du uns beim Erklären und Aufschreiben der vielen Fachbegriffe geholfen hast. So ein liebevolles Team ist kostbar.

Um 13 Uhr fliegender Ortswechsel rüber in die alte Kegelbahn. Seit zehn Uhr sind die Männer am Tun. Lernen, alten Verputz abzuschaben. Räumen aus. Schleppen hin und her. Samuel sitzt draußen beim tätowierten Fassl-Wirt unterm Sonnenschirm, liest vor und redet pausenlos auf ihn ein. Was für ein gütiger Mann! Nein, er fühlt sich nicht gestört. Später erzählt Samuel stolz, er habe einen „Kaffee für den Scheffe“ ordern dürfen. Er ist bestimmt einen Zentimeter gewachsen vor Stolz. Nach drei Stunden Staub und Hämmern und Schaben und Verputzen ist der vordere Raum eigentlich leer. Mit ein bisschen Fantasie sehe ich schon Maria’s wunderbare Kalkfarben an den Wänden. Und an den dunklen Möbeln. Viel helles Grau. Viel Weiß. Bankauflagen in Gelb und Orange. Und wie ich Alexander kenne, wird es Ornamente an den Wänden geben. Der Boden entpuppt sich als total schön. Wartet nur, wenn er erst mal geputzt und eingelassen ist.

Erstaunlich viel Licht ist plötzlich in diesem ehemals vollgestopften und verspinnwebten Raum. Socializing. Das wünschen sich die FH-Studenten und Dozenten aus Spittal/Drau. Liebe Freundinnen und Freunde, in zwei, drei Wochen feiern wir das erste Mal intern. Euch, uns und das Leben, das uns zusammen geführt hat.

 

 

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