Sie inspiriert uns. Also meinen Mann und mich. Greta Thunberg schafft das, was viele von uns frustriert aufgegeben haben. Sie spricht Herausforderungen direkt an. Über den Klimawandel und seine Auslöser darf mensch gern unterschiedlicher Ansicht sein. Ich bin selbst oft nicht sicher, was wir den Profiteuren einer Wirtschaft glauben dürfen, wenn sie uns Green Technology verkaufen wollen. Fakt ist aber auch, dass wir in den materiell reichen Ländern dieser Welt mehr an Rohstoffen verbrauchen als diesem Planeten gut tut. Diese junge Frau spricht Dinge direkt an, um die sie sich sorgt. Der Gegenwind, der ihr derzeit entgegen bläst, ist heftig. Für mich ist sie mehr als eine Galionsfigur für das sich verändernde Weltklima. Ich bin sehr gespannt, wohin ihr Weg noch führt, den sie mit sechzehn Jahren so mutig eingeschlagen hat. 

Vor zwei Wochen fragt Alexander an, ob ich nicht Lust hätte, ein Geschöpf zu machen, das Greta sichtbar macht. Und unsere Wertschätzung, unseren Respekt für die junge schwedische Frau. Und für all die jungen Menschen rund um diesen Planeten, die auf die Straße gehen und auf ihre zukünftige beklemmende Situation aufmerksam machen. Ich bin immer noch sehr damit beschäftigt, meine Figuren zu drahten, sie beweglicher zu machen. Es passt mir sehr gut, eine bewegliche Greta mit ihren dunklen Zöpfen und dem ernsten Gesicht anzugehen. Alexander rangiert seine abgetragenen Hemden aus. Ein fein kariertes passt wie gerufen für diese Figur. Mir ist der gelbe Ostfriesennerz wichtig, den die junge Frau gegen die Nässe trägt. Weil wir leider keinen alten Regenmantel zur Verfügung haben, suche ich halb Klagenfurt nach einem gelben, regenmantelähnlichen Stoff ab. Greta’s Hose ist wieder ein Upcyclingstück aus Resten der Friesacher Firma Boos. Warm und kuschelig genug, damit auch diese Greta in einem Monat wie März oder April schon am Boden sitzen kann.

Alexander verschwindet immer wieder in der Holzwerkstatt und sägt und hämmert und lackiert. Er baut Greta eine Bühne, mit der sie auch rauskommen soll aus unserem Haus. Die Regenrinne links im Bild erinnert mich so sehr an die englischen Städte. Diese Greta ist anders als ihre Vorgängerinnen. Sie ist geduldig, sehr zurück haltend. Fast ein wenig scheu. Wir diskutieren nur über ihre Augenfarbe. Und einigen uns auf braune Pupillen. Und auf sehr streng gezöpfelte Haare. Sie besteht drauf, sie abzuschneiden, ursprünglich ist ihre Mähne sehr lang. Mein Mann muss sie immer wieder in die Hand nehmen und anschauen. Ich spüre, wie sehr ihn dieses Wesen berührt. Ab April darf sie mit Bühne und ihrer tollen Kleidung in unserem Pop-Up-Store von Kunst&Werk in Klagenfurt sitzen. Sie ist meine Art auszudrücken, wie sehr wir alten und mittelalten Menschen jene jungen unterstützen, die jetzt munter werden und beginnen, für die Zukunft dieses Planeten die Stimme zu erheben.