Über

engel

photocredit: copyright by Hussain Khalid

Alexander Engel ist Grafiker und Zeichner und Maler und arbeitet mit Holz.
Lisa Engel fotografiert, schreibt, malt, näht und bastelt.

Wir schaffen interkulturelle Räum der Begegnung von Mensch zu Mensch. Gemeinsam mit Österreichern und zugewanderten Menschen bauen wir Brücken zwischen den Kulturen. Seit Dezember 2016 sind wir ein gemeinnütziger Verein. Integration funktioniert für uns nur in beide Richtungen. Die Menschen aus dem arabischen Raum integrieren sich in unsere Kultur. Und wir hier, wir integrieren uns in eine vollkommen neue Situation.

Wir wir tun? In unseren Projekten geht es hauptsächlich um Upcycling. Wir schenken altem Material, das eigentlich weggeworfen werden sollte, eine neue Verwendung. Altglas, Plastikabfälle, Altpapier, die vielen geschenkten Materialien von wohlmeinenden Unterstützern – bei uns wird (fast) alles verarbeitet. Für die Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan ist es zu Beginn vollkommen unverständlich gewesen, warum wir diese Arbeit tun. Langsam und in vielen, vielen Gesprächen über den Sinn und Unsinn unseres Tuns beginnen sie zu verstehen, dass es bei uns nicht alles gratis gibt. Alexander und ich haben schon immer ressourcenschonend und nachhaltig gelebt.

Doch der Reihe nach:

Als wir im Sommer 2015 mitten hinein purzelten in die Flüchtlingshilfe vor Ort war uns überhaupt nicht klar, was auf uns zukommen sollte. Eine Unterschriftenaktion gegen das Transitcamp Krumfelden und die Medienberichterstattung über die Zustände im Lager Traikirchen machten uns neugierig. Wer sind diese Menschen, warum lösen sie so viel Angst aus, können wir sie kennen lernen?

Wir fuhren hin. Niemand war da. Nur ein sehr freundlicher Mann, dankbar für unser Interesse. Wir vereinbarten, ihm zu Beginn zu helfen. Mein Mann richtete noch am Wochenende ein Spendenkonto ein. Und wir richteten uns auf 50 alleinstehende Männer ein, wie es das Bundesministerium voraus gesagt hatte. Montag Morgen rief ein verzweifelter Lagerleiter an. Es waren Mütter mit Babys gekommen, ohne Kleidung, ohne Schuhe und vor allem ohne Babynahrung. Gott sei Dank war unser Spendenkonto bereits gefüllt. Wir leisteten Erste Hilfe und kauften bei DM die nötigsten Dinge. Anschließend holten wir im Friesacher KostNixLaden Kleidung und Spiele und brachten alles ins Lager. Die Menschen stürzten sich wie verrückt auf die Sachen und richteten echtes Chaos an. Wir lernten schmerzhaft, dass Kleidung und Material und Nahrung systematisch ausgegeben werden muss. Die Fotos vom Chaos gingen durchs Internet und waren der erste und auch der letzte Schock, den wir im Zusammenhang mit unserer Arbeit erfuhren. Wir waren zu Beginn mehrmals am Tag vor Ort. Ich schrieb auf facebook, was wir erlebten. Und die Hilfe der Menschen in der Region war riesig.  Fahrräder, Sonnenschutz, Kleidung – wir füllten das Auto. Und wir leerten das Auto. Inzwischen vollkommen geordnet. Ein Team hatte die Organisation übernommen. Und wir konnten uns nach fünf Wochen zurück ziehen. Ein bisschen Info aus dieser Zeit könnt ihr im Archiv nachlesen.

Eigentlich hatte ich mir im Juli vorgenommen, mir so eine Art Auszeitjahr zu gönnen. In Ruhe zu schauen, was ich in diesem Leben noch machen will. Doch es kam ganz anders. Ich gab ab September zwei Mal in der Woche Deutschkurse in Pöckstein. Dort lebten etwa 35 Menschen in ORS Betreuung, so gut wie ohne Infrastruktur und Kontakt zum Umfeld. Wir fanden heraus, dass die Menschen Beschäftigung suchten. Kochten gemeinsam grenzenlos, sehr erfolgreich. Malten, fotografierten. Besuchten Freunde. Stellten Verbindung zu Österreichern her. Feierten miteinander. Und bauten erste Brücken.

Und irgendwie in all dem Trubel um Deutschkurse und erste Handwerkskurse stellte sich heraus: das ist es! Das ist es, was ich immer wollte! Kunsthandwerklich arbeiten, forschen, fremde Kulturen kennen lernen, meinen Horizont erweitern.

Bei den Tagen der Zukunft in Juni 2016 in Arnoldstein gewannen wir beim Institut für Zukunftskompetenzen ein mehrtägiges Coaching und verwandelten uns in eine ernstzunehmende Initiative, die wir Der.Raum nannten. Gemeinsam mit Hassan Al Khalili, Hamodeh Al Khalili und Inanna Frey starteten wir mit Kursen, Workshops und gaben noch immer Deutschkurse. Der erste Arabischkurs entstand mit meiner Freundin Antonia und ihrem Freund Billan, die ein Sprachenlaising ausprobierten. Auch das eine sehr coole Erfahrung.

Eine Stadttheaterproduktion, das Bürgertheater, verband unsere jungen Männer mit anderen geflüchteten Menschen, die in Kärnten ein neues Zuhause gefunden hatten. Es tat ihnen so gut, voll und ernst genommen zu werden. Die Premiere im Maria Saaler Thonhof war ein Riesenerfolg. Danach begannen die Interviews und viele Wege trennten sich. Verbindung halten wir via facebook oder whatsapp.

Eine herzwarme Kooperation entstand zu den Essensrettern und genialen Köchen von Best of the Rest in Klagenfurt. Wir hatten ein paar gemeinsame Auftritte in Klagenfurt. Und werden die Zentrale in der Klagenfurter Innenstadt im frühen Sommer gemeinsam mit Asylwerbern und anerkannten Flüchtlingen verschönern.

Eine weitere Kooperation entstand im Moorquell am Längsee. Relativ schnell richteten wir eine großzügige Nähwerkstatt ein, in der derzeit zwei Frauen auf Haushaltsmaschinen nähen und drei Frauen kunsthandwerkliche Dekoartikel für den Upcyclingstore des öffentlichen Café’s herstellen. Alexander werkt gemeinsam mit Luca mit drei Männern mit Holz in der extra hergerichteten Werkstatt vor Ort. Die dort entstehenden Upcyclingregale auch alten Rahmenecken sind echte Hingucker.

Stichwort Kooperationspartner: in Klagenfurt entsteht gerade eine sehr feine Zusammenarbeit mit dem Verein VOBIS im Volxhaus. In Feldkirchen arbeiten wir mit der Österreichischen Permakultur zusammen und mit dem Verein SECOTECO. Das Völkermarkter Integrationszentrum ist ein genialer Partner für uns. Mit dem Klagenfurter Mädchenzentrum sind Projekte im Gespräch.

Auch Schulen interessieren sich für uns. Kinder von sechs bis zehn Jahren setzen sich mit Upcycling und unserer Intention der interkulturellen Räume auseinander. Ganz natürlich. Mein irakischer Fotoschüler wird ebenso akzeptiert wie wir (mittel)alten Menschen und gehörig ausgefragt. Genau so, wie ich es in unserer Ausbildung zur LAIS Mentorin und in diversen Laisingseminaren erfahren hatte.

Unsere Fotoschenk- und Tauschplattform hat sich im Zuge unserer Veränderungen einen neuen Namen und Anstrich verpasst. Aus LAIS.Foto, das im LAIS.Institut gemeinsam mit Dieter Graf-Neureiter und anderen entwickelt wurde, wird der Foto.Raum. Mein genialer IT-Mann und guter Freund Mario Guggenberger hat ein sensationell gut funktionierendes Programm entwickelt und zur Verfügung gestellt. Schaut gern vorbei und nutzt unsere Bilder oder stellt uns eure Fotos für die Community zur Verfügung. Wir unterstützen nur ausgewählte Projekte und manchmal auch Privatpersonen mit unseren lebendigen Stockfotos.

Es ist nun Frühling im Jahr 2017. Wir haben keine Ahnung, was wir im Sommer oder Herbst tun, was nächstes Jahr auf uns zukommt. Lest unseren Blog mit, informiert euch, kommt zu unseren Kursen rund ums malen, fotografieren, filzen, Puppen nähen, nähen von Upgecyceltem oder Upcycling mit Holz und Metall und unterstützt gerne unsere Arbeit mit euren finanziellen Beiträgen, Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Materialspenden.

Wir freuen uns auf euch!

Lisa Engel

 

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